Ausgabe 10/2026
IN-Nachrichten
Wenn Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen zusammenarbeiten, bringt das häufig besondere Herausforderungen mit sich. Serena Cerra vom Kölner Institut für interkulturelle Kompetenz e.V. erklärt, was kultursensible Führung ausmacht. Das Seniorenzentrum St. Anna ist mit dem AOK-BGF Gesundheitspreis 2026 in der Kategorie „Newcomer“ ausgezeichnet worden und gewährt uns spannende Einblicke in sein erfolgreiches BGM-Konzept. Außerdem in diesem Monat: Wir schauen auf Ernährungstrends und -empfehlungen und haben für Sie wertvolle Tipps für den (Berufs-)alltag zusammengestellt. Unser aktueller Report Im Fokus Schlafstörungen liefert differenzierte Kennzahlen und gibt BGF-Impulse für gesunden Schlaf. Die Tage werden kürzer und draußen wird es ungemütlich, doch wir geben dem Winterblues keine Chance: mit unserem Winterlauf sind Fitness und Teamspirit garantiert, melden Sie sich gleich an!
Kultursensible Führung – Vielfalt verstehen und Zusammenarbeit gestalten
Kulturelle Unterschiede werden im Führungsalltag häufig nicht direkt sichtbar, sondern zeigen sich in kleinen Irritationen und Missverständnissen: Ein Mitarbeiter reagiert auf Kritik anders als erwartet, eine Vereinbarung wird unterschiedlich verstanden oder eine zurückhaltende Äußerung wird als Zustimmung interpretiert. Manchmal kommt es plötzlich sogar schlimmer als erwartet: Eine gute Fachkraft aus dem Ausland, die erst vor einigen Monaten im Betrieb angefangen hatte, wird häufig krank, bis sie nicht mehr kommt, schließlich kündigt sie. Was auf den ersten Blick wie ein individuelles Verhalten oder ein Kommunikationsproblem erscheint, kann mit unterschiedlichen Erfahrungen, kulturell bedingten Orientierungen und Vorstellungen von Zusammenarbeit zusammenhängen. Genau hier setzt kultursensible Führung an. Sie beginnt nicht mit einem Katalog kultureller Besonderheiten, sondern mit der Bereitschaft, die eigenen Deutungen zu überprüfen, kulturelle Unterschiede zu erkennen und nach gemeinsamen, für das ganze Team tragbaren Lösungen suchen.
Kultur beeinflusst, wie Menschen Situationen wahrnehmen, wie sie kommunizieren und Beziehungen gestalten. Gleichzeitig ist Kultur niemals statisch oder eindeutig. Menschen werden durch unterschiedliche Erfahrungen, Lebenswelten, soziale Milieus, Religionen, Generationen und individuelle Persönlichkeiten geprägt. Eine kultursensible Führungskraft sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass ein Mensch aufgrund seiner nationalen oder kulturellen Zugehörigkeit bestimmte Eigenschaften besitzt. Entscheidend ist vielmehr die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen und die eigene Sichtweise kritisch zu hinterfragen.
Eine zentrale Voraussetzung kultursensibler Führung ist die Selbstreflexion. Führungskräfte müssen sich zunächst bewusst machen, welche eigenen Orientierungen, Erwartungen und Vorstellungen ihr Handeln beeinflussen. Diese meist unbewussten Mechanismen gilt es zu erkennen und zu reflektieren. In einem zweiten Schritt werden dann in einer guten Kommunikation mit dem Team unbewusste Haltungen sichtbar gemacht und besprochen. Das kann den Weg zu Lösungen frei machen, bei denen die ganz individuelle kulturelle Perspektive der Beteiligten berücksichtigt wird.
Besonders relevant wird dies in der Kommunikation und im Konfliktmanagement. Unterschiedliche Vorstellungen davon, wie direkt Kritik geäußert werden darf, wie Entscheidungen getroffen werden oder welche Rolle Hierarchien spielen, können zu Missverständnissen führen.
Eine offene Kommunikationskultur, in der man sich konstruktives, aber auch negatives Feedback gibt, ist in vielen Betrieben und Einrichtungen hierzulande üblich und selbstverständlich. In anderen Kulturen hingegen legt man eher Wert darauf, den anderen nicht offen zu kritisieren, sondern ein „unangenehmes“ Thema nur indirekt und sehr höflich anzusprechen. Wenn also ein Mitarbeiter, der auf einen Fehler sehr direkt angesprochen wird, zurückhaltend reagiert und sich anschließend kaum noch äußert, sollte die Führungskraft dies nicht vorschnell als mangelnde Kritikfähigkeit oder fehlendes Interesse interpretieren. Eine kultursensible Führung würde zunächst das Gespräch unter vier Augen suchen und die Kommunikationsmuster von beiden Seiten offenlegen. So wäre für den Mitarbeiter nachvollziehbar, dass das negative Feedback nicht ein Bloßstellen bedeutet, sondern eine Aufforderung, sich mit den Abläufen tiefer auseinanderzusetzen.
Auch wenn es darum geht, sich bei Entscheidungen einzubringen, bei denen die eigene Meinung gefordert ist, kann es zu Missverständnissen kommen. Oft halten sich Mitarbeitende aus anderen kulturellen Hintergründen zurück und schweigen, anstatt ihre eigene Meinung zu äußern. Eine interkulturell kompetente Führungskraft interpretiert das Schweigen nicht automatisch als Zustimmung oder Ablehnung, sondern bietet den Beteiligten beispielsweise ein Gespräch unter vier Augen in einem geschützten Raum an, in dem es für zurückhaltende Menschen einfacher ist, sich zu öffnen. Einige Fachkräfte, die zu uns ziehen, sind nämlich in Kulturen sozialisiert worden, in denen weniger als in Deutschland Wert auf selbstständiges Handeln, Autonomie, Freiheit und Individualismus gelegt wird. Für diese ist es wichtig, unsere „ungeschriebene Regeln“ der Kommunikation zu verstehen und einzuordnen, damit sie sich gut in die Abläufe integrieren können.
An diesen zwei Beispielen wird vielleicht deutlich, wie vielschichtig die Herausforderungen und Aufgaben von kultursensibler Führung sein können. Es geht zum einen um die Fähigkeit der Selbstreflexion, dann um die Bereitschaft, geeignete und individuelle Lösungen zu finden, Gespräche zu führen, und Zeit zu investieren. Darüber hinaus geht es genauso um die Gestaltung von vielfältigen Teams. Hier ist es wichtig, alle Mitarbeitende im Team und letztlich im gesamten Betrieb mitzunehmen.
Eine besondere Herausforderung stellt die Zusammenarbeit mit internationalen Fachkräften dar. Sie bringen häufig wertvolle fachliche Kompetenzen, neue Perspektiven und andere berufliche Erfahrungen mit. Gleichzeitig können hier vor allem oft ungenügende Deutschkenntnisse, abweichende Vorstellungen von Teamarbeit und Hierarchie sowie unterschiedliche Erwartungen an Arbeitsabläufe zum Problem werden. Auch die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, die Einarbeitung in rechtliche und organisatorische Vorgaben sowie die soziale Integration in das Team sollte eine gute Führung im Blick behalten. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Führungskraft die Betroffenen stärkt, es ist ebenso wichtig, das ganze Team bezüglich dieser Themen zu sensibilisieren und informieren.
Dazu gehört, gemeinsam mit dem Team über Werte, Kommunikationsformen und den Umgang mit Vielfalt zu sprechen. In Teamsitzungen, Workshops oder Qualitätszirkeln können Erfahrungen gesammelt, Herausforderungen benannt und verbindliche Vereinbarungen entwickelt werden. Auch bestehende Abläufe, Einarbeitungskonzepte und Fortbildungsangebote sollten regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden: Beispielsweise können bei Mitarbeitenden mit noch wenigen Deutschkenntnissen Piktogramme zur sprachlosen Visualisierung von Arbeitsabläufen eingeführt werden. Für Einarbeitungskonzepte sollte/könnte mehr Zeit für eventuellen Dolmetscher-Bedarf eingeplant werden. Auch die Darstellung von selbstverständlichen Abläufen und ungeschriebenen Regeln in Dienstbesprechungen wäre eine geeignete Maßname, um neuen internationalen Fachkräften mehr Systemkenntnisse zu geben. Fortbildungsangebote zum Thema interkulturelle Kompetenz sollten für Führungskräfte und für das Team zum Fortbildungsrepertoire gehören. Eine geeignete Vorbereitung auf die Ankunft von internationalen Fachkräften gehört ebenfalls zu einer guten kultursensiblen Führung.
Zu den bereits erwähnten Herausforderungen kommen leider immer wieder schmerzhafte Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen. In vielfältigen Teams kann es auch zu offenen oder subtilen Formen von Rassismus und Diskriminierung kommen – etwa durch Vorurteile, abwertende Zuschreibungen oder eine ungleiche Behandlung von Mitarbeitenden aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Sprache. Kultursensible Führung bedeutet deshalb auch, solche Erfahrungen ernst zu nehmen, diskriminierendem Verhalten klar entgegenzutreten und eine Arbeitskultur zu schaffen, in der alle Mitarbeitenden respektvoll und gleichberechtigt behandelt werden.
Auf diese Weise wird kultursensible Führung nicht zu einer Einzelmaßnahme, sondern zu einem gemeinsamen Prozess der gesamten Einrichtung. Sie verbindet Offenheit gegenüber unterschiedlichen Perspektiven mit der Bereitschaft zur Selbstreflexion und zur Veränderung bestehender Strukturen. Ihr Ziel ist nicht, kulturelle Unterschiede möglichst reibungslos zu „managen“, sondern eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der Verschiedenheit wahrgenommen und respektiert wird. Kultursensible Führung zeigt sich nämlich dort, wo Vielfalt nicht nur akzeptiert, sondern als Teil guter Zusammenarbeit und als wertvolles Potential bewusst gestaltet wird.
Serena Cerra
Sozialpädagogin, interkulturelle Trainerin, Beraterin, Moderatorin, systemische Coach, Team KIIK Care
Kölner Institut für Interkulturelle Kompetenz e.V.
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Seniorenzentrum St. Anna ausgezeichnet mit dem AOK/BGF-Gesundheitspreis 2026 in der Kategorie Newcomer
Gesundheit im Fokus:
St. Anna berichtet über neue Wege mit der AOK Rheinland/Hamburg und dem BGF-Institut
Vom Gesa-Projekt zum nachhaltigen Betrieblichen Gesundheitsmanagement
Im Seniorenzentrum St. Anna in Alsdorf-Hoengen hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt. Mit dem Start des Gesa Pflege-Projekts („gesund alt werden in der stationären Pflege“),
das von Juli 2022 bis Dezember 2023 durchgeführt wurde, begann eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage:
Was brauchen unsere Mitarbeitenden, damit sie gesund, zufrieden und gerne bei uns arbeiten?
Der Beginn war dabei herausfordernd. Unser neu gebildetes Leitungsteam mit neuer Einrichtungsleitung musste Strukturen schaffen, Rahmenbedingungen festlegen und gemeinsame Standards entwickeln. Gleichzeitig beschäftigten uns die alltäglichen Themen:
„Zeitfresser“, Dienstplangestaltung, der tägliche Umgang mit Menschen mit Demenz und die Frage, was Mitarbeitende im Alltag besonders stresst und fordert. Uns war schnell klar: Gute Strukturen haben einen großen Einfluss auf die Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeitenden. Als überwiegend neues Leitungsteam wollten wir deshalb aktiv etwas für unsere Mitarbeitenden tun und gleichzeitig im besten Fall die krankheitsbedingten Ausfalltage reduzieren. Unser Ziel war deshalb, den Zusammenhalt zu stärken, verlässliche Strukturen schaffen und gegenseitige Unterstützung fördern.
BGM ist Chefsache
Um die begonnenen Veränderungen nachhaltig weiterzuführen, entstand die Zusammenarbeit mit der AOK Rheinland/Hamburg und dem BGF-Institut.
Dabei wurde schnell klar: Betriebliches Gesundheitsmanagement muss „Chefsache“ sein.
Als Leitungsteam sehen wir uns in einer Vorbildfunktion. Wir sind nah an unseren Mitarbeitenden und können ihre Wünsche und Bedürfnisse direkt aufnehmen. Gleichzeitig haben wir die Möglichkeit, das Thema Gesundheit in täglichen Entscheidungen einzubeziehen, entsprechende Budgets zu berücksichtigen und notwendige dienstliche Freiräume zu schaffen.
Zusätzlich zu den Leitungsbesprechungen sind deshalb die regelmäßigen Gesundheitszirkel ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit: Dabei kommen die Leitungskräfte einmal im Quartal mit dem BGF-Institut und der AOK zusammen; die verbindliche Teilnahme für alle Leitungskräfte sorgt dafür, dass das Thema Gesundheit dauerhaft Bestandteil unserer Führungsarbeit ist.
Eine große Veränderung: die 5-Tage-Woche
Ein besonderes Projekt war die Einführung der: 5-Tage-Woche für die Mitarbeitenden der gesamten Einrichtung. Der Wunsch vieler Mitarbeitenden war klar: Mehr freie Tage und damit mehr Freizeit und Erholungszeiten.
Um dieses Ziel zu erreichen, wurde gemeinsam mit Sabine Mommertz-Seltzer (Beraterin im Gesundheitswesen) an der Umsetzung der 5-Tage-Woche gearbeitet.
Es begann ein intensiver und fordernder Prozess, der die volle Unterstützung aller Mitarbeitenden forderte. Mitarbeiterversammlungen, Teamsitzungen und persönliche Gespräche gehörten ebenso dazu wie die Suche nach Lösungen für individuelle Herausforderungen, beispielsweise bei veränderten Dienstzeiten. Die bestehenden Strukturen in allen Bereichen von der Hauswirtschaft bis zur Verwaltung mussten neu angepasst werden - ein steiniger Weg.
Immer wieder mussten neue Lösungen gefunden und Probleme gemeinsam bearbeitet werden.
Heute können wir mit Stolz sagen: „Das Projekt 5 Tage Woche haben wir erfolgreich in der kompletten Einrichtung umgesetzt und so die Zufriedenheit in der Belegschaft deutlich erhöht.“
Gesundheit gemeinsam gestalten
Das Berufliche Gesundheitsmanagement ist inzwischen in unserer Einrichtung fest etabliert. Unterstützt wird das Thema seit mittlerweile zehn Monaten durch eine eigene Gesundheitsmanagerin, die ebenfalls Mitglied im Steuerungskreis ist und als Bindeglied zwischen Belegschaft und Leitung fungiert. Informationen zu BGM-Angeboten und Aktionen gibt sie über Teamsitzungen und Protokolle, aber auch über Flyer, Plakate und einen Informationsbildschirm im Foyer an die Belegschaft weiter. Darüber hinaus konnten wir glücklicherweise bereits einen Mitarbeiter als Mental Health First Aid-Ersthelfer (Erste Hilfe für die Psyche) ausbilden und in den Gesundheitszirkel integrieren.
Auch für unsere Bewohnerinnen und Bewohner gibt es positive Veränderungen.
Gesundheit bedeutet bei St. Anna nicht nur, auf die Mitarbeitenden zu schauen. Auch unsere Bewohnerinnen und Bewohner profitieren von den im Gesundheitszirkel entwickelten Angeboten.
Fortbildungen sowie neue gezielte Bewegungs- und Musikangebote sind inzwischen fest in unserer Einrichtung verankert (Musik und Demenz, Chor, Sitztanz).
Durch regelmäßige Rückmeldungen („Feedbackkarten“) der Betreuungsassistenten können diese Angebote kontinuierlich weiterentwickelt und regelmäßig an die Bedarfe angepasst werden
Ein neues Verständnis für BEM
Ein weiteres Beispiel dafür, wie Gesundheitsmanagement konkrete Veränderungen bewirken kann, ist das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM). Durch eine gezielte Fortbildung wurden neue Anschreiben und Informationsflyer entwickelt. Mitarbeitende erhalten so Informationen, was ein BEM ist, wie ein Gespräch abläuft und welche Möglichkeiten BEM bietet.
Das Ergebnis ist besonders erfreulich: Während es früher aus Unsicherheit und Angst vor dem Gespräch häufiger Absagen gab, bedanken sich Mitarbeitende heute für die Einladung, die Informationen, Unterstützungsangebote und das wohlwollende Gespräch.
Wir bleiben dran
Natürlich ist noch nicht alles abgeschlossen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen uns auch, an welchen Themen wir weiterarbeiten müssen. Dazu gehören insbesondere Kommunikation und Schnittstellenkommunikation, der Umgang mit Stress und Gesprächsführung.
Für die Zukunft sind deshalb weitere Maßnahmen geplant, so z.B. eine Führungswerkstatt zur Verbesserung des Miteinanders und des Verständnisses innerhalb des Leitungsteams, ein Angebot zum Thema Resilienz für Mitarbeitende sowie Supervisionen und Coaching in allen Teams.
Die Zusammenarbeit mit der AOK Rheinland/Hamburg und dem BGF-Institut hat bereits über St. Anna hinaus Wirkung gezeigt: Auch andere Einrichtungen des Trägers der ACD Aachener Caritasdienste interessieren sich für das erfolgreiche BGM-Konzept von St. Anna und bringen nun selbst erste Gespräche und Projekte auf den Weg.
Wenn wir auf die vergangenen Jahre zurückblicken, ist vor allem eines deutlich geworden: Veränderungen funktionieren nur gemeinsam. Deshalb möchten wir uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bei Lea Blattmann und Leonie Franzen vom BGF-Institut sowie Dieter Finken von der AOK Rheinland/Hamburg bedanken.
Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein einmaliges Projekt. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, der davon lebt, zuzuhören, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Veränderungen auch wirklich nachhaltig umzusetzen.
Dass wir für unseren bisherigen Weg mit dem AOK/BGF-Gesundheitspreis 2026 in der Kategorie Newcomer ausgezeichnet wurden, bedeutet uns als Einrichtung sehr viel. Wir fühlen uns dadurch in unserer Arbeit wertgeschätzt und in unserem Engagement ermutigt, diesen Weg weiterzugehen.
Denn die Auszeichnung zeigt uns: Wir sind auf dem richtigen Weg. Gleichzeitig ist sie für uns Ansporn, nicht stehen zu bleiben, sondern Gesundheit im Seniorenzentrum St. Anna weiterhin gemeinsam zu gestalten.
Stefan Mergl
Küchenleitung / Teilnehmer im Gesundheitszirkel St. Anna
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So is(s)t Deutschland – Trends im Vergleich zu den Empfehlungen
Seit 2012 hat sich der Lebensmittelverbrauch in Deutschland in mehreren Bereichen deutlich verändert. Besonders positiv fällt der steigende Verbrauch von Gemüse auf. Vor allem Tomaten, Möhren, Rote Bete und frische Hülsenfrüchte werden häufiger nachgefragt. Auch Beeren- und Schalenobst haben an Bedeutung gewonnen. Diese Entwicklung passt grundsätzlich zu den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): Sie empfiehlt eine überwiegend pflanzliche Ernährung mit viel Gemüse und Obst sowie regelmäßig Hülsenfrüchten und Nüssen.
Bei den stärkehaltigen Lebensmitteln zeigt sich dagegen ein gemischtes Bild. Während frische Kartoffeln seltener verbraucht werden, steigt der Verbrauch von Kartoffelerzeugnissen, Teigwaren, Reis und Weizenmehl. Entscheidend ist bei diesen Lebensmitteln jedoch nicht nur die Menge, sondern auch die Auswahl, denn bei Brot, Nudeln, Reis und Mehl empfiehlt die DGE bevorzugt die Vollkornvarianten – diese enthalten mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe als Produkte aus Auszugsmehl und machen außerdem länger satt.
Im Trend liegen auch so genannte Convenience-Produkte. Tiefkühlkost, insbesondere Tiefkühlpizza und Backwaren, sowie Fertiggerichte werden stärker nachgefragt. Schnell verfügbare Lebensmittel, die einfach und schnell zubereitet werden können, spielen im Alltag damit eine immer größere Rolle. Wichtig ist dabei jedoch der Blick auf die Zusammensetzung dieser Produkte: Viele stark verarbeitete Lebensmittel enthalten größere Mengen Zucker, Salz oder Fett. Süße, salzige und fettreiche Lebensmittel sollten deshalb nur einen kleinen Teil der Ernährung ausmachen.
Ein weiterer Trend zeigt sich bei Milch und Käse. Während Milch, Joghurt, Sahne und verschiedene andere Milcherzeugnisse rückläufig sind, wird mehr Käse verbraucht. Besonders Mozzarella sowie Hart-, Schnitt- und Weichkäse haben zugelegt. Der Rückgang bei Milchprodukten ist aus gesundheitlicher Sicht nicht grundsätzlich positiv, denn die DGE empfiehlt weiterhin, Milch und Milchprodukte täglich in die Ernährung einzubauen.
Auch beim Fleisch zeigt sich eine Veränderung. Vor allem Schweinefleisch wird weniger verbraucht, bei Rind- und Kalbfleisch ist ebenfalls ein Rückgang zu beobachten. Diese Entwicklung passt zur Empfehlung, tierische Lebensmittel in Maßen zu verzehren. Für Fleisch und Wurst gilt: weniger ist mehr. Wer Fleisch und Wurst isst, sollte nach Empfehlung der DGE nicht mehr als 300 Gramm pro Woche verzehren.
Bei den Getränken hat sich ebenfalls einiges verändert. Erfrischungsgetränke sowie Obst- und Gemüsesäfte werden weniger verbraucht. Auch der Konsum alkoholischer Getränke wie Bier, Wein, Sekt und Spirituosen ist gesunken. Besonders der Rückgang des Alkoholkonsums ist aus gesundheitlicher Sicht positiv. Nach aktueller Einschätzung der DGE gibt es keine risikofreie Menge Alkohol. Sie empfiehlt deshalb, auf alkoholische Getränke zu verzichten beziehungsweise möglichst wenig Alkohol zu trinken.
Insgesamt zeigen die Entwicklungen sowohl Fortschritte als auch weiteren Handlungsbedarf. Positiv sind vor allem der höhere Gemüseverbrauch sowie der geringere Verbrauch von rotem Fleisch, Fleischerzeugnissen, Süßwaren und alkoholischen Getränken. Gleichzeitig werden weiterhin zu wenig Gemüse, Vollkornprodukte, Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und Fisch verzehrt. Auch Softdrinks und stark verarbeitete Lebensmittel spielen weiterhin eine größere Rolle, als es für eine ausgewogene Ernährung wünschenswert wäre.
Der Trend geht damit in einigen Bereichen bereits in Richtung einer stärker pflanzenbetonten Ernährung. Von den Empfehlungen der DGE sind die tatsächlichen Verbrauchsmuster jedoch noch ein gutes Stück entfernt.
Kleine Veränderungen, die im Alltag helfen
Doch wie lassen sich die Empfehlungen im Alltag konkret umsetzen? Dafür braucht es nicht immer große Veränderungen. Schon kleine Anpassungen bei Einkauf, Planung und Zubereitung können helfen, die eigene Ernährung Schritt für Schritt ausgewogener zu gestalten.
- Wochenplan erstellen: Wer Mahlzeiten grob vorplant, kauft gezielter ein und greift seltener spontan zu Fertiggerichten.
- Meal Prep nutzen: Ganze Mahlzeiten oder einzelne Komponenten wie Reis, Gemüse oder Hülsenfrüchte lassen sich gut vorbereiten und später schnell kombinieren.
- Am Tellermodell orientieren: Als einfache Orientierung kann etwa die Hälfte des Tellers mit Gemüse und gegebenenfalls Obst gefüllt werden. Die andere Hälfte teilen sich eine sättigende Beilage und eine Proteinquelle.
- Volles statt leeres Korn: Brot, Nudeln oder Reis möglichst häufig in der Vollkornvariante wählen. Wer sich erst daran gewöhnen möchte, kann zunächst Vollkorn- und Weißmehlprodukte mischen.
- Pflanzliche Proteinquellen entdecken: Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Tofu oder Nüsse bringen Abwechslung auf den Teller und können tierische Lebensmittel häufiger ersetzen.
- Wasser aufpeppen: Wem Wasser zu langweilig ist, kann es mit Kräutern, Obst oder Gemüse aromatisieren. Auch ungesüßter Tee bietet Abwechslung.
- Basics zu Hause haben: Mit einigen Grundzutaten lassen sich schnell einfache Mahlzeiten zubereiten. Nudeln, Gnocchi, passierte Tomaten, Pesto, Feta, Mozzarella, (TK-)Gemüse, Joghurt, Obst, Haferflocken oder Nüsse bieten viele Kombinationsmöglichkeiten. So kann beispielsweise ein Ofengemüse mit Feta ähnlich unkompliziert zubereitet sein wie eine Tiefkühlpizza.
- Gesunde Snacks griffbereit halten: Nüsse, Naturjoghurt mit Beeren oder eine Banane mit Erdnussmus sind schnell vorbereitet und eignen sich gut für zwischendurch.
- Kleine Packungen bei Süßigkeiten: Was nicht offen herumsteht oder in Großpackungen verfügbar ist, wird häufig bewusster gegessen.
- Zucker in Getränken schrittweise reduzieren: Saftschorlen stärker verdünnen oder gesüßten Tee nach und nach weniger süßen.
- Nüsse und Samen ergänzen: Als Topping für Joghurt, Müsli, Salat oder Suppen.
- Neuen Brot-Belag ausprobieren: Brot häufiger mit Hummus, Frischkäse, Ei oder Gemüse statt „Butter, Wurst oder Käse“ belegen.
Gesunde Ernährung am Arbeitsplatz unterstützen
Mit fachlicher Expertise und unseren praxisorientierten Angeboten wie der Ernährungssprechstunde, Meal Prep, Infused Water oder eat@work unterstützen wir Sie dabei, eine gesunde und ausgewogene Ernährung für Ihre Mitarbeitenden leichter zugänglich zu machen. Wir vermitteln Ihnen grundlegendes Wissen und Tipps, die sich einfach und unkompliziert in den (Arbeits-)alltag integrieren lassen. Ihr Kontakt im BGF-Institut:

Caroline Morawietz
M.Sc. Gesundheitswissenschaften und -management
Beraterin Betriebliches Gesundheitsmanagement
Tel. +49 174 7851409
E-Mail: caroline.morawietzbgf-institutde
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit unserer Werkstudentin Lea Wippert (B.Sc. Ernährungswissenschaften; M.Sc. Public Health i.A.)
Hinweis: Grundlage des Lebensmittelverbrauchs sind Daten der Agrarstatistik 2012 -2022 (Verbrauchsdaten, keine individuellen Messungen des Verzehrs).
Neu erschienen: Im Fokus Schlafstörungen 2026
Seit Jahren zählen Schlafstörungen in Deutschland zu den größten gesundheitlichen Beeinträchtigungen; insbesondere ärztlich diagnostizierte Schlafstörungen haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Nach aktuellen Studien sind etwa 20-25 Millionen Menschen in Deutschland von wiederkehrenden Schlafproblemen betroffen, das entspricht ca. 30 % der erwachsenen Bevölkerung; bei 6-10 % liegt eine chronische Insomnie mit Krankheitswert vor.
Gesunder Schlaf dient nicht nur der Regeneration, er ist für die Gesundheit von größter Bedeutung. Während wir schlafen, sinken Herzschlag und Blutdruck, Zucker- und Fettstoffwechsel werden reguliert, in den Zellen starten Reparaturprogramme, die Immunabwehr wird gestärkt. Im Schlaf verarbeitet unser Gehirn Erlebnisse und Informationen und speichert z. B. Lerninhalte im Gedächtnis. Erholsamer Schlaf ist unerlässlich, um körperlich und psychisch gesund zu bleiben.
Die Gründe, weswegen viele Menschen schlecht schlafen, sind vielfältig. Eine zunehmende Arbeitsverdichtung, Schicht- und Nachtarbeit, hohe berufliche und private Anforderungen sowie die ständige Erreichbarkeit können die Erholungsfähigkeit stark beeinträchtigen und das Risiko anhaltender Schlafprobleme erhöhen.
Auch die Lebensgewohnheiten vieler Menschen beeinflussen den Schlaf negativ; hierzu zählen unter anderem die intensive Nutzung digitaler Medien in den Abendstunden, eine unausgewogene Ernährungsweise, Bewegungsmangel sowie der Konsum von Alkohol, Nikotin, koffeinhaltigen Getränken oder anderen (anregenden) Substanzen. Darüber hinaus aktiviert chronischer Stress neurobiologische Mechanismen, die das Ein- und Durchschlafen erschweren; außerdem treten Schlafstörungen oft im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen (wie Depressionen oder Angststörungen) sowie chronischen körperlichen Erkrankungen auf.
Langfristig erhöht ein chronisch gestörter Schlaf u.a. das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck), Stoffwechselstörungen (bspw. Typ-2-Diabetes) sowie psychische Erkrankungen (z. B. Depressionen).
Der vorliegende Kurzbericht liefert interessante Kennzahlen zu organischen und nichtorganischen Schlafstörungen über einen Zeitraum von 20 Jahren. 2025 war bei den Arbeitsunfähigkeitstagen durch Schlafstörungen ein neuer Höchststand festzustellen - Schlafstörungen sind somit ein bedeutender Faktor, wenn es um Arbeitsunfähigkeit, Produktivitätsverluste und steigende Gesundheitsausgaben geht.
Die Betriebliche Gesundheitsförderung bietet viele Möglichkeiten, um Schlafstörungen entgegenzuwirken. Mit unseren Angeboten Gesunder Schlaf, Fit für die Schicht oder Schichtwechsel für Deine Ernährung sowie Formaten rund um die Themen Stressmanagement, Resilienz und Achtsamkeit unterstützen wir Sie und Ihre Mitarbeitenden auf dem Weg zu besserem Schlaf. Sprechen Sie uns gerne an.

Nils Torsten Krüger
Dipl.-Geograph
Referent Gesundheitsberichterstattung
Tel. +49 172 5391793
E-Mail: nils-torsten.kruegerbgf-institutde
Schritt4fit Winterwanderung
Wir laden Sie herzlich zu unserem firmenübergreifenden Schrittzählerwettbewerb Teamgeist in Bewegung - Fit durch die Vorweihnachtszeit ein – dieses Mal geht es auf die Gipfel der fünf höchsten Berge der Welt!
Die 2.500 km lange Strecke hat viel zu bieten. Neben atemberaubenden Berggipfeln winken Spielspaß, Fitness und Teamspirit, das Ganze ist für Sie kostenfrei:
- Wettbewerbszeitraum 09.11.2026 – 20.12.2026
- Anmeldung bis zum 02.11.2026
- max. 5 Teams je Firma / Einrichtung
- Teamgröße: 5 Läufer/-innen je Team
- Kostenübernahme 100%
Sieger ist das Team mit den meisten Schritten – die fleißigsten Läufer/-innen gewinnen einen Gutschein über 2.500,- € für BGF-Maßnahmen aus dem Portfolio des BGF-Instituts.
Sprechen Sie uns gerne an:

Markus Birnkammer
Dipl.-Sportwissenschaftler
Teamleiter Prävention und Veranstaltungen
Tel. +49 152 01566537
E-Mail: markus.birnkammerbgf-institutde
Rückfragen bitte per E-Mail an: serviceschritt4fitde
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