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BGF-Jahressymposium 2015

Das Tempo, in dem die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert, ist atemberaubend – nicht nur in der Produktion, sondern auch im Dienstleistungssektor. Der Wandel bringt zweifellos Chancen mit sich, aber auch Herausforderungen: Um die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern, müssen die Rahmenbedingungen von Arbeit entsprechend gestaltet werden – und sich den neuen Verhältnissen anpassen. Wie dies aussehen kann, darüber diskutierten Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft beim Forum „BGM 4.0 – Gesunde Arbeit und Vernetzung in der digitalisierten Arbeitswelt“. Eingeladen hatte das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) der AOK Rheinland/Hamburg.

Hochkarätige Experten diskutierten

Rund 200 Teilnehmer – überwiegend Personalverantwortliche und Vertreter von Mitarbeitern aus Unternehmen - begrüßte die AOK Rheinland/Hamburg in der Zeche Zollverein in Essen. Rolf Buchwitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, zeigte sich in seiner Eröffnungsrede überzeugt, dass „wir uns schon heute Gedanken machen müssen, wie wir morgen gesundes Arbeiten ermöglichen können. Betriebliche Gesundheitsförderung ist in diesem Sinne auch eine Präventionsmaßnahme zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.“

Die Komplexität des Themas spiegelte sich in der Besetzung des Podiums wider: Hochkarätige Experten informierten über neueste Trends aus der Arbeitswelt und diskutierten über die Folgen für die Gesundheit der Beschäftigten und mögliche Lösungsstrategien. Einmütigkeit herrschte in der Einschätzung der Dimension: Die Digitalisierung wird nahezu alle Aspekte der Arbeitswelt tangieren. Das Gute daran ist: Der Mensch hat Möglichkeiten, die Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen zu beeinflussen – denn es ist seine Entscheidung, einen Roboter so einzusetzen, dass er die Beschäftigten dabei unterstützt, gesund zu arbeiten. Prof. Dr. Christopher Schlick von der RWTH Aachen zeigte an eindrucksvollen Beispielen, wie sich die Digitalisierung für eine gesundheitsgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen nutzen lässt.

Neue Anforderungen an Führung und Unternehmenskultur

In anderen Fällen sind es Regeln und gesetzliche Rahmenbedingungen, die den neuen Verhältnissen angepasst werden müssen – etwa wenn es darum geht, in Zeiten von pausenloser Erreichbarkeit Arbeits- und Freizeit auszubalancieren. Dr. Julia Schröder, Geschäftsführerin des BGF-Instituts, verdeutlichte die Situation aus dem Blickwinkel der Betroffenen: „Auch wenn sich die Arbeitswelt wandelt: Die Grundbedürfnisse der Menschen nach Feedback, Kommunikation und einer wertschätzenden Unternehmenskultur bleiben gleich.“ Für Unternehmen heißt das im Umkehrschluss: Wenn sie ihren Mitarbeitern Vorbehalte und Ängste gegenüber der Digitalisierung nehmen möchten, schaffen sie das am besten über Vertrauen und Verlässlichkeit. Das stellt neue Anforderungen an Führungsverhalten und Unternehmenskultur.

BGF-Angebote müssen zur neuen Situation passen

Für die Experten des BGF-Instituts der AOK Rheinland/Hamburg bedeutet der Befund: Themen wie Bewegung, Ernährung und Stress werden auch in der Zukunft die betriebliche Gesundheitsförderung bestimmen. „Allerdings“, so Prof. Dr. Katja Petrowski, Institut für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation der Deutschen Sporthochschule in Köln, „müssen die Angebote an die neue Situationen angepasst werden.“ Denn wenn sich Unternehmen in der künftigen Arbeitswelt gegen äußere Stresseinflüsse wappnen wollen, sind die Führungskräfte gefragt. Regelmäßige Informationsweitergabe, mitarbeiterorientierte Kommunikation und bedarfsgerechte Kompetenzvermittlung tragen dazu bei, die Beschäftigen mitzunehmen auf dem Weg zum Unternehmen 4.0. Die Unternehmen sind an dieser Stelle gefragt, ihre Mitarbeiter mit Qualifikationen auszustatten.

Dr. Julia Schröder fasste die Aufgabenstellung so zusammen: „Die Beschäftigten müssen auf den digitalen Wandel vorbereitet werden. Betriebliche Gesundheitsförderung muss aus diesem Grund Hand in Hand gehen mit den Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in den Unternehmen.“ Die Digitalisierung kann übrigens dazu beitragen, dass sich Unternehmen hierbei untereinander vernetzen. Die Chance ist da.